Sonntag, 9. Februar

Ein kleines Experiment, zu dem ich dich einladen möchte:
Bitte begebe dich an einen stillen Ort, wo du alleine bist. Setze dich für ein paar Atemzüge still hin. Steh dann auf, schliesse die Augen, erhebe den rechten Arm dem Himmel entgegen. Verbildliche in deinem inneren, dass du vor allen Heiligen stehst. Vor Gurudeva, vor der gesamten Parampara, vor allen Sadhus und auch in der direkten Gegenwart Sri Sri Radha-Krishnas. Sprich nun laut und klar:
„Ich gelobe, gemäss meinen Möglichkeiten, die mir jetzt zur Verfügung stehen, mit der mir verbleibenden Lebenszeit selbstlos zu dienen. Euch allen und auch allen Wesen, die meine Lebensspur kreuzen.
Was sind die „zweiten Gedanken“, die in einem dabei auftauchen? Die alte Ich-Struktur kennt nur ein Mantra: „was ist denn mit mir?“, „vernachlässige mich nicht!“
Wir tragen die Sorge noch in uns, dass man im Gottdienen irgendwie zu kurz kommen könnte.

Samstag, 8. Februar

Ein Atom ist eine riesige Wolke von Elektronen. Die Elektronen sind ähnlich weit voneinander entfernt wie die einzelnen Sterne im riesigen Raum drin. Diese Wolke ist etwa 10`000 bis 100`000 mal grösser als der Kern aus Protonen und Neutronen. Je mehr man sich diesem Kern nähert, desto mehr verlieren auch er an Substanz. Die gesamte materielle Welt besitzt in sich keine Substanz. Es ist eine Lichtshow Gottes.
Es ist nicht maya, sondern es ist Gottes Kraft.
Aus diesem Unterschied heraus ergeben sich gänzlich unterschiedliche Weltbilder.

Freitag, 7. Februar

Letztlich ist alles immer ein Geschenk…. wenn der eigene Widerstand schmilzt, der plante, wie die Dinge zu geschehen hätten. Da dies natürlich nie eintrifft, steht man also vor der Weggabelung, zu lamentieren oder sich in die eine umfassende Absicht einzufügen.

Donnerstag, 6. Februar

Von einem alte Weggefährten habe ich diese Zeilen in einem Brief erhalten, die mich sehr nachdenklich stimmten:
„ich glaube die Segnung vom chanten der Gottesnamen ist, dass man sein materielles leben nicht „auf die Reihe bekommt“ und Krishna einem hilft, kaum materiell orientierte Wünsche zu entwickeln.“

Dies ist eines von vielen grossen Missverständnissen ist, die man in dieser spirituellen Institution gelernt hat. Genau dieses Denken blockiert aber mit Sicherheit jeglichen inneren Fortschritt.
Die Segnung vom chanten ist das Erwachen der brennenden Begierde nach seva! Und sicherlich nicht, dass man unfähig wird für die Welt. Da rechtfertigt man die eigene Trägheit und Unfähigkeit mit einem sogenannten „transzendentalen  Darüber-stehen“.
Es drückt auch eine unglaublich unversöhnte Haltung mit der äusseren Welt aus.
Krishna spricht die gesamte Gita über diese Versöhnung des inneren Weges mit der äusseren Welt…. Es wäre grundlegend falsch, die äussere Welt zu negieren und diese als „maya“ zu konnotieren, denn unsere Verblendung besteht ja nur in der Ausblendung der Beziehung zu Radha-Krishna. Wenn diese Beziehung reift, zerfällt natürlicherweise die Wahrnehmung einer getrennten Welt und man braucht nicht mehr mit ihr im Kampf zu stehen. In der Gita (5.13) spricht Krishna auch davon „glücklich in der Stadt der neun Tore zu leben“.
Damit wirklichen Fortschritt geschehen darf, muss man sein materielles Leben unbedingt auf die Reihe kriegen. Materielle Wünsche verschwinden nie, wenn man einfach nur keine Möglichkeit mehr hat, sie sich zu erfüllen. Es bedarf der Entscheidung Sie, auch wenn alles wunderbar in der Welt ist und man alle Möglichkeiten angeboten bekäme. Dann in einem solchen Moment Radha-Krishna zu wählen ist Liebe.

Mittwoch, 5. Februar

Man will nicht mehr eine Schablone sein für die Wunschvorstellungen der Welt.
Der Ruf Gottes drängt immer zur radikalen Selbsthingabe.
sich rückhaltlos in die Arme Gottes werfen…

Nicht mehr ich…. (Galater Brief) Dennoch muss man die Verankerung in sich beibehalten, damit Gott einen wirklich zu erfüllen vermag.

Dienstag, 4. Februar

Leider übertönt der Krach der Intoleranz zu oft das Wachsen der Liebe. Dass Menschen konditionierterweise mehr Geschmack an der Spannung haben als am Frieden, sieht man ja nur schon daran, dass sie sich mehr an Attentaten ergötzen und alles darüber in Erfahrung bringen möchten, anstatt fasziniert zu sein vom unspektakulären Frieden.
Eigentlich müsste Friede doch attraktiver sein als Auseinandersetzungen und Bekämpfung.

Montag, 3. Februar

Auch ethisch hochstehende, ja heilige Menschen partizipieren an den kollektiven Irrtümern ihrer jeweiligen Zeitepoche. Das tut ihrer Heiligkeit auch nichts ab. Aber es fordert uns auf, zwischen wesentlichen ewigen Inhalten und den kulturellen Beschränktheiten, die in den Schriften und von den spirituellen Lehrern auch vermittelt werden, genau zu unterscheiden.

Sonntag, 2. Februar

Sastra ist Offenbarungsschrift. Apaurusheya – von Gott inspiriert.
Dennoch lässt sich erkennen, dass sie von Menschen gesammelt, niedergeschrieben, bearbeitet, übersetzt und in verschiedenen Richtungen weiterbearbeitet wurde. Als Menschenwerk ist sie deshalb nicht ohne Mängel, Verhüllungen,Vermischungen und Beschränktheiten.
Der historische Charakter der heiligen Schrift ermöglicht nicht nur Schrift-Kritik, sondern erfordert sie geradezu. Ernsthafte Sastra-Kritik ist unverzichtbar, damit die heilige Botschaft von Gott nicht in einem Buch verschlossen bleibt, sondern zu jeder Zeit wieder neu lebendig zugänglich ist. Gerade das heilige Studium erfordert die kritische Exegese.
Man darf nicht einfach die heiligen Schriften herbeiziehen, sondern es braucht die Wissenschaft, wie man die heilige Schrift verstehen kann und in einer reifen Weise zu applizieren: die Hermeneutik.

Samstag, 1. Februar

Wenn die Erinnerung eindringt und meint, es sei so oder so, dann hat das alte System der Lebensführung übernommen und man fällt aus der Dynamik des Gewahrseins heraus, aus der Realität, die in jedem Moment neu und nicht einfach nur eine Fortsetzung des bisher Bekannten ist….

Freitag, 31. Januar

Es erstaunt mich immer wieder, wie der innere moralische Kompass versagt, sobald jemand ein jahrtausende altes religiöses Buch zu seiner Lebensweisung akzeptiert. Warum lassen wir dort in solchen Texten Aussagen zu, die sonst jeder zivilrechtlichen Person einen Strafprozess einbringen würden?