Montag, 25. Mai

Liebesbeziehungen beginnen oft durch die Sexualität, sollten jedoch nicht dort stecken bleiben. Denn dann hätte man die sexuelle Kraft nicht verstanden und ihren evolutiven und transformativen Aspekt nicht zu nutzen gewusst.
Die Liebe hat viele Stadien und darf nicht im ersten, in der Auffüll-Liebe stagnieren. Die Liebeskraft will immer auf Gott verweisen. Im Folgen dieser Liebes-Spur wird die körperliche Sexualität mit der Zeit wegfallen. Sie körperlich nicht zu leben ist nicht ein defizitärer Zustand, sondern zeigt auf, dass das Bewusstsein der Seele ein grosses Mass an Kreativität und Fruchtbarkeit entwickelt hat.

Sonntag, 24. Mai

„Jemand, der die Zufriedenheit des Geistes eingeübt hat, bleibt innerlich erfüllt, auch wenn er gar nichts mehr hat, und ihm alles abhanden kommt. Dann freut er sich halt an ein wenig Wasser oder an der Luft, die er atmet.“ (Bhagavatam 7.15.18)

Das ist der Test, ob der Zustand der Zufriedenheit sich an die Welt der Namen festband oder ob sie wirklich ein durchdrungener Gemütszustand ist, der auch nicht erschüttert wird in Verlustbewegungen.

Samstag, 23. Mai

Sada santusthah manasa
Sarva sivamaya-dishah (Bhagavatam 7.15.17)
„Für jemanden, dessen Geist still und zufrieden ist, existiert in allen Himmelsrichtungen nur Glückseligkeit.“
Das ist nicht eine verklärte Weltschau, sondern die unverzerrte Wahrnehmung des stillen Geistes.
Anders herum betrachtet ist Leiden nur die Bewegung des unzufriedenen Geistes.

Freitag, 22. Mai

Gottes Namen als heilig zu ehren, ruft zur Verhaltenheit, zur Scheu, zum Dank vor einem Namen, der sich nie vollständig begreifen lässt. Der Gott selber ist.
Denn nicht ein Begriff oder eine Buchstabenkombination, sondern Er selbst, das, was Ihm ganz eigen ist, darf geheiligt werden. Gott selber und nichts, was nur für Gott oder göttlich gehalten wird.
Geheiligt sei dieser Name nicht, weil es uns angenehm ist und uns befreit, sondern einzig aus dem einfachen Grund, weil Gott heilig ist.

Mittwoch, 20. Mai

Dietrich Bonhoeffer hat 1942 im KZ für Mitgefangene ein Morgengebet geschrieben. Es beginnt: „Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages. Hilf mir beten…. und meine Gedanken sammeln zu dir. Ich kann es nicht allein.“
Wie wesentlich ist die Bitte um Unterstützung im Gebetsleben. Denn wie oft wiederholt man nur Formeln, die innerlich leer geworden sind und nicht mehr tragen?
Und wie oft überschüttet man Gott mit Wünschen und Anliegen, mit Fragen und Sorgen, ohne auch nur einmal auf ihn zu hören, stille werden, schweigend ihm eine Chance zu geben.
Beten ist der Lehrgang, sich seiner Führung und seiner Absicht anzuvertrauen – unabhängig davon, was das „Ich“ sich gerade für Vorstellungen vom Leben zimmert.

Dienstag, 19. Mai

Der Anfänger ist erpicht, ein spirituelles Ziel gleich zu erlangen. Durch die Reifung in der Geduld hört man auf, das Errungene zu zählen. Ob es jetzt ist oder zehntausend Geburten später, spielt dann keine Rolle mehr.
Das ist nicht das Entschwinden der inneren Intensität, sondern die erwachte Freude, Bhakti einfach zu tun, ohne durch Bhakti bestimmte Bewusstseinszustände oder Visionen zu erlangen.

Montag, 18. Mai

„Nur in dem Masse, als der Mensch sich immer wieder der Vernichtung aussetzt, kann das Unvernichtbare ins Innesein treten. Das ist die Würde des Kühnen.
Nur im immer neuen Durchschreiten einer Zone der Vernichtung kann die Fühlung mit dem aller Vernichtung enthobenen Seins sich festigen. Und je mehr der Mensch es lernt, ohne Reserve der ihn gefährdenden, sinnwidrigen, mit Isolierung drohenden Welt zu begegnen, um so mehr öffnet sich ihm die Tiefe des Grundes, und ein Tor zu neuem Leben und Werden geht auf.“
Graf Dürckheim „Der Alltag als Übung“

Sonntag, 17. Mai

Unser Dasein in dieser Welt ist wirklich nur das Begehen einer ganz dünnen Eis-Schicht, die jederzeit einbrechen kann. Wir aber bauen genau in einer solchen Situation Sicherheits-Strukturen und simulieren da drauf Ewigkeit und Beständigkeit nach.
In jedem körperlichen Aggregats-Zustand ist die allerwesentlichste Aufgabe der Seele aber immer zugänglich: ein einfacher hilfloser Ruf nach Krishna ohne Kontroll-Ansprüche der Ich-Instanz.

Samstag, 16. Mai

Rumi schreibt:

„Morgens ging ich in den Garten, eine Rose mir zu pflücken,
Heimlich und in Furcht, der Gärtner könnte mich dabei erblicken,
Doch es waren seine Worte köstlich über mein Erwarten:
„Nicht die Rose nur allein, ich schenke dir den ganzen Garten!“

Das ist die wundersame Überraschung auf dem inneren Weg: die Erfahrung zu machern, in einer Welt zu Leben, dessen Urheber es weit über unsere Vorstellung hinaus gut mit uns meint.
Dieses Erleben setzt das Grundvertrauen, sich freudvoll einem Abbauprozess der äusseren Persönlichkeit auszusetzen, was sonst jedes Ich als masslose Anmassung empfinden würde.