Fr, 18. November 2022

Unser Interesse an der äusseren Welt beruht auf Unwissenheit und auf
Verleugnung unseres wahren Wesens. Wir haben mehr Interesse an der Welt als
an uns selbst und an der Wahrheit, mehr Interesse an der Vergänglichkeit
als an der Unvergänglichkeit, die ihr zugrunde liegt.
Darin liegt der Urgrund für das Leiden des Menschen.

Do, 17. November 2022

Was fällt uns denn so schwer, die Welt zu verlassen? Was sind all die
Objekte meines Lebens, die mir so schwer fallen, zurückzulassen?
Die meisten, die heute in so einem Kalender lesen, bezeichnen sich sicher
nicht als reine Materialisten. Wir stellen fest, dass die Verstrickung sich
auf emotional aufgeladene Objekte der Welt bezieht, von denen wir sagen
würden, wir liebten sie. Aber wir haben unser Identitätsgefühl auf sie
gestützt.
Das Gedankenkonstrukt in meinem Inneren, das sich mit dem Namen „Ich“
bekleidet, ist auch ein Objekt meiner Welt, was mir sehr nahe ist und wo es
einem schwindelig werden könnte bei dem Gedanken, es vollständig hinter
einen zu lassen.
Wenn sich der Klebstoff löst, ist nichts verloren.

Mi, 16. November 2022

Wenn es heisst, die Welt sei Leiden, dann ist damit ausschliesslich die
eigene Verhaftung an die Welt und seine Verstrickung und Verknüpfung und
die Absorption des Bewusstseins mit ihr gemeint. Es gibt kein Leid in
Isvara-sristhi (der Schöpfung Gottes).
Leid ist der Verlust der Erinnerung an unseren Ursprung und die eigentliche
Liebesbeziehung der Seele. Um das wieder ganz klar in einem werden zu
lassen, darf man punktuell für eine gewisse Zeit die gewohnten Umstände der
Welt verlassen.

Di, 15. November 2022

Es geht um den Rückzug der Aufmerksamkeit von der Welt – das ist nicht die
Flucht vor der Welt. Dies ermöglicht einen sehr wohl, inmitten der Welt zu
sein – einfach ohne mit ihr verstrickt zu sein.
Viele Menschen verstehen die Widersprüchlichkeit nicht, die sich durch den
spirituellen Weg auftut. Einerseits der Notwendigkeit, mitten im Leben zu
stehen, die Aufgaben des Lebens zu erfüllen, mein Beitrag zur Gesellschaft
und Familie gegenüber zu tätigen und der Notwendigkeit andererseits, sich
vollkommen aus dem Leben zurückzuziehen.
In der Ausrichtung auf Gott zerfällt die scheinbare Unvereinbarkeit.

Mo, 14. November 2022

Das Verflochtensein, Das Absorbiert-Sein, die Verknüpftheit, die
Abhängigkeiten – all das, was ich meine Beziehung zur Welt zu glauben
meine – darf im Rückzug einmal abgelegt werden.
Nun fragt man sich ehrlich, nachdem man seine bisherige Existenz
zurückgelassen hat, was einen nun wesentlich fehlt.

So, 13. November 2022

Der absolute Willen des Menschen, die Verhaftungen des äusseren Lebens
aufzugeben und das Bewusstsein darüber, es nicht tun zu vermögen, sind kein
Widerspruch.
Wir wissen, dass wir es nicht tun können und dennoch will es jede Zelle von
uns. In der gänzlichen Bereitschaft, es zu tun, wissend, dass es viel mehr
erfordert, als unser tun, erscheint Gnade.

Do, 10. November 2022

Man scheitert immer wieder am Hindernis des Eigenwillens. Dieser
Eigenwille, der einen in die Macht führen und vieles bewegen mag, ist
eigentlich der Wille zu Leiden.
Der Eigenwille, der sich Bedeutung zuschreiben mag, aber keine Freiheit
schenkt, ist nicht unser wirklicher Wille.

Mi, 09. November 2022

Im Augenblick grösster Not ist man erstaunlicherweise immer noch bereit,
das Leiden fortzusetzen – man will es nur in einer anderen Version: als
innerweltliche Annehmlichkeit.
Das Heimweh aber führt mich zur absoluten Bereitschaft der Heilung: zur
Hingabe an Gott.