Mi, 01. Juli 2026

Wenn man wirklich mit der Wahrheit konfrontiert wird, setzt sich im eigenen
Geist ein Mechanismus in Gang, der denkt: „Wenn ich jetzt diese
Verkrampfung, die gesamte Leidensgeschichte, den unnötigen Widerstand gegen
Krishna, aufgeben würde, dann müsste ich ja eingestehen, dass ich Unrecht
hatte.“
Das Ich will aber immer Recht behalten. Und so nimmt es in Kauf, weiter zu
leiden.
Wie grotesk dieses Szenario ist, war einem solange unbewusst, bis man
diesen Vergleich klar in Worte gefasst wird.
Recht behalten oder frei sein – was möchte man wirklich?

Di, 30. Juni 2026

Es ist gar nicht schlimm, Unrecht zu haben, wenn das Ich demütig geworden
ist und die Rechthaberei aufgab. In der Sanftmut der Liebe ist es eine
Selbstverständlichkeit, Unrecht einzugestehen und sich dann wirklich
hinzugeben.

Mo, 29. Juni 2026

Entspannte Wachsamkeit ist der natürliche Zustand. Darin muss man nichts
produzieren oder sich vorstellen, sondern nur Gottes Gegenwart, die ist,
bezeugen. Ohne Anstrengung oder Verbissenheit. Das ist japa.

So, 28. Juni 2026

Was für Traumata ein Mensch in seiner Geschichte auch immer erlebt haben
mag, gibt es dennoch nichts, was rechtfertigen würde, dass man in diesem
Moment, den Widerstand zu Gott weiter aufrecht erhält. Im Aufgeben der
Trennung ist die Versöhnung mit allem, was war, ein Nebeneffekt.

Sa, 27. Juni 2026

In unseren Leben lernen wir, mit Ängsten umzugehen und mit ihnen zu leben.
Der innere Weg aber fragt danach, woher sie denn wirklich stammen.
Jede Furcht hat ihre Wurzel in der Selbstisolation und Distanzierung von
meiner Beziehung zu Radha Krishna.

Fr, 26. Juni 2026

„Hier begriff ich, dass man sein Leben so weit als möglich leben müsse,
nicht dem Tage nach, sondern in die Tiefe. Dass man nicht das nächste tun
muss, wenn man fühlt, dass man am Übernächsten, am Fernen, am Entferntesten
mehr Anteil hat. Dass man träumen darf, während andere retten, wenn diese
Träume wirklicher sind als die Wirklichkeit und notwendiger als Brot. Mit
einem Wort: dass man die äusserste Möglichkeit, die man in sich trägt, zum
Massstabe seines Lebens machen müsse. Denn unser Leben ist gross, und es
geht soviel Zukunft hinein, als wir tragen können“
Aus „Du musst Dein Leben ändern“, Texte von Rainer Maria Rilke

Do, 25. Juni 2026

„Bhakti ist ein besonderes Lieben. Liebe im transitiven, nicht im
reflexiven Sinne. Also ganz auf die Freude des Du Gottes ausgerichtet –
auch wenn das am Anfang bedeutet, einfach zu tun, was Er anordnet (Vaidhi-
Bhakti).
Man könnte ja auch motiviert sein, jemanden zu lieben, weil das Gefühl, zu
lieben, einen selbst einfach so glücklich macht…. Wenn man aber
„transitiv“ liebt, vergisst man sich selbst und sein eigenes Glück oder
Leid. Das ist also noch einmal etwas anderes: Nicht nur Liebe, sondern
liebendes, erkennendes Dienen (Bhakti).“
Swami Sadananda

Di, 23. Juni 2026

Die Ich-Entwicklung ist nur eine Sprosse auf einer Leiter umfassenden
Wachsens.
Aber manchmal will diese dann trotzig seine Position verteidigen und
blockiert eine Weiterentwicklung. Dies ist eine Form der Herrschaft und
kindlichen Tyrannei des Ichs– und man hält diese sogar noch für den freien
Willen.
Das Missverständnis darf sich auflösen – Es ist aber nicht so, dass der
Tyrann den Tyrannen auslöschen kann. Keine Gewalt kann mit Gewalt beseitigt
werden.
„Dein Wille geschehe“ – wäre die natürliche Fortsetzung einer Ich-
Herrschaft.

Mo, 22. Juni 2026

Die Philosophin und Mystikerin Simone Weil betont, dass das Zweifeln kein
Feind des Glaubens ist, sondern dass ein methodischer Atheismus zur
Läuterung des Glaubens führen könne.
„Religion im Sinne eines Trostspenders verstanden, ist ein Hindernis für
wahren Glauben und Glaubenszuversicht. Wenn dies der Fall ist, kann man
Atheismus als eine Reinigung und Motivationsklärung verstehen.“
(“on science, necessity and the love of God, London, Oxford University
Press, 1968)