Mo, 20. Juli 2026

Die Kraft an sich hat keine bestimmte Ladung in eine Richtung. Sie bekommt
diese Ladung erst durch den Anwender der Kraft – also in der
innerweltlichen Identifizierung – vom eigenen Geist, der sich dieser Kraft
bemächtigt und sie auf eine bestimme Weise nutzt.
Es gibt auch den freien Gebrauch von Kraft… als Seele handelnd, ohne
Eigeninteressen, welche man anhand von ihr durchringen möchte. Diese freie
Anwendung beginnt in der Erkenntnis, dass alles bereits in besten Händen
aufgehoben ist in Gott und führt hin zur übergebenden Hingabe an seine
Absicht.

So, 19. Juli 2026

Sehnsucht ist keineswegs ein Hinweis darauf, dass man auf einem
Freiheitsweg wandelt. Sie kann geradeso gut ein Weg in die nicht
endenwollende Unerfülltheit sein.
Die Frage, die innerlich brennen genau betrachtet werden darf, ist: Wem
dient die Sehnsucht?

Sa, 18. Juli 2026

„Lieber zum Alten zurück als zu erforschen, was vor einem liegt“ – das ist
die Mentalität des Einsschlafenwollens.
Wenn ich nicht die vollständige Bereitschaft in mir trage, geschieht nicht
wirklich etwas.
Alles unter 100 % ist nicht ausreichend.
Und dennoch bleibt auch die kleinste Bemühung nie vergeblich.

Fr, 17. Juli 2026

Man muss nicht die Wertlosigkeit des Ichs, seinen Minderwert, bearbeiten.
Dies könnte zwar zu vorübergehenden Erfolgen führen, und das Ich fühlt sich
wieder selbstbewusster. In Wirklichkeit wird es doch nur ichbewusster. Die
vorübergehende Stärkung des Minderwerts ohne die Wurzel zu berühren– das
Vergessen eigentlicher Identität – hat bedingten relativen Wert.
Das Selbst hat Identität unabhängig davon, wie der Marktwert des Ichs
gerade steht. Es ist geliebt von Sri Krishna.

Do, 16. Juli 2026

Man hängt sich fest an unnütze Äusserlichkeiten, Fassadenspiele und
Anhaftungen an bestimmte Aggregatszustände der Aussenwelt und ärgert sich
doch ganz in der Tiefe drin, dass man es tut. Das ist die Stimme der Würde
als Seele.
Das Unbehagen, dass man das eigentlich Wesentliche vernachlässigt, bleibt.
Der innere Aufruhr, dass der momentane Zustand nicht einfach nur
korrigiert, leicht erträglicher gemacht, aber doch beibehalten wird, ist
der Beginn der Selbsterforschung.

Di, 14. Juli 2026

Es gibt Menschen, die es kaum aushalten können in ihrer Lebenssituation und
sich aufgrund des Leidensdruckes auf eine innere Suche begeben. Darin liegt
immer etwas Problematisches. Denn der grundlegende Anstoss geschieht nicht
bedingungslos aus dem Gottesbedürfnis, sondern aus dem Wunsch, dem
unaushaltbaren Schmerz zu entgehen.
Die Grundvoraussetzung für einen effektiv nachhaltigen inneren Weg ist aber
die vollständige Versöhnung mit der Welt, was bedeutet, dass man auch gerne
in ihr lebt.
Man heiratet ja auch nicht, weil man von etwas weg will, sondern weil eine
Faszination einen ruft: ein Hinzugehen auf etwas.

Mo, 13. Juli 2026

Man glaubte als Mensch lange Zeit, dass es die eigene Aufgabe sei, den
Mitwesen, der Welt, der Umgebung, dem Leben und Gott einen Wert
zuzuschreiben, indem man sie be-wertet. Man ist wie besetzt von der Idee,
allem einen Wert anzuheften, da es sonst keinen hätte.
Das Leben hat aber einen Wert in sich und man muss nichts tun, um ihm
aufgesetzt eine Bedeutung zuzuschreiben. Dieser inhärente Wert entsteht
nicht künstlich durch Beruf, Karriere oder innerweltlich erworbene
Scheinsicherheiten, sondern ist gegeben als Existenz meiner ewigen Seele
und ihrer angelegten Beziehung zu Gott.

So, 12. Juli 2026

Es ist nicht die eigene Aufgabe, die natürlich fliessenden Umstände der
Umgebung zu bewerten – sie abzuwerten oder aufzuwerten und darin Minderwert
und Stolz zu erleben. In der Haltung des Ergebens zu Gott erkennt man den
inhärenten Sinn von allem in allem durchleuchtend und das Zerrbild
abgetrennter Wahrnehmung ist entschwunden.

Sa, 11. Juli 2026

Man kann die Wirksamkeit einer spirituellen Übung nie beurteilen an der
Behaglichkeit, die sie mit sich bringt.
Denn es geht nicht um die erlebte Erleichterung, sondern um das Übergeben
im Vertrauen und letztlich nur um die Freude Gottes.