Di, 30. November 2021

„Ich kann oder konnte mich bisher nicht mit einer Religion
/Glaubensrichtung identifizieren, immer hat mich etwas daran gestört oder
ich hatte unbeantwortete Fragen dazu…“
Genau an diesem Punkt wird es doch spannend. Was tue ich jetzt? Anpassung
ans Kollektiv wäre eine Übergehung seines Innersten und führte zur
Entfremdung im Namen des inneren Weges.
Wenn das Heilige nicht auf tiefste innerste Resonanz stösst, darf es nicht
zum Eigenen gemacht werden.
Manchmal tragen religiöse Systeme tatsächlich sehr fragwürdige Werte in
sich, wo man krank würde, wenn man sie annähme. Und manchmal versteht man
die Inhalte einfach nicht, weil die transzendente Mentalität dem kleinen
Ich zu fremd ist. Dort braucht es einen liebevollen Austausch in der Stille
mit Seelen, die die Verwirklichung davon im Herzen tragen.

Mo, 29. November 2021

Albert Camus beschreibt in seinem Roman „Der Fremde“ wie Meursault zum Tode
verurteilt wird. In der Todeszelle erfährt er die zärtliche
Gleichgültigkeit der Welt.
In diesem Ausdruck liegt eine tiefe Erkenntnis: Dass im inneren Ausklinken
von den emotionalen Freudenprogrammen und Leidvorstellungen eine ganz tiefe
Freude inne wohnt.

Sa, 27. November 2021

Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen der Sinnwidrigkeit der Welt
einerseits und der Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn und sinnvollem
Handeln.
Unter Aufopferung des klaren Verstandes machen Menschen einen irrationalen
„Sprung“ (Camus nennt es „saut“) in religiöse Rettungsangebote, um dem
Absurden zu entfliehen.
Dieser Möglichkeit gilt es erst einmal zuzustimmen.
Dann darf man in Stille unverbissen zusehen, wie Sinn nicht aus der Welt
stammt, nicht gemacht werden braucht, sondern im ruhigen Gemüt auftaucht,
geschenkt von Gott in Gott.

Mi, 24. November 2021

„Krishna, in diesem tiefen unverlierbaren Vertrauen, dass dein Werk
vollbracht wird und dass du jene geschaffen und bestimmt hast, die es
vollbringen sollen – wozu da unnötig Energie anspannen und etwas wollen,
was schon verwirklicht ist? Du hast mir den unumschränkten Frieden dieses
Vertrauens geschenkt.“

Di, 23. November 2021

Mein Wesen ist mit dem zufrieden, was du ihm gibst. Was du von ihm willst,
das wird es tun, ohne Schwäche, ohne falsche Bescheidenheit und ohne eitlen
Ehrgeiz. Was spielt es für eine Rolle, welchen Platz man einnimmt, was
macht es aus, was für eine Sendung du einem anvertraust? Kommt nicht alles
darauf an, dir gänzlich zu gehören, so vollkommen wie man gerade kann, ohne
irgendeine andere Sorge?

Mo, 22. November 2021

Meine ganze Natur grüsst dich, Herr, und die Arme erhoben, die Hände
geöffnet, fleht sie zu dir. Nicht dass sie an deiner unendlichen
Freigebigkeit zweifelte und meinte, sie müsse bitten, um zu erhalten. Nein,
es ist einfach ihre Art, dich zu grüssen und sich dir zu ergeben.

So, 21. November 2021

Darin liegt der globaler Irrtum, der sich in jedem Moment milliardenfach
auf dieser Erde wiederholt: Glück, welches immer auf einem stillen Geist
beruht, erfahren zu wollen, doch das Zentrum aller Existenz nicht als
Zentrum aller eigenen Gedanken einzubeziehen.