So, 21. Juli 2024

Es gibt das langsame Dahinserbeln des Körpers, in welchem man sich an den
bisherigen Wertesystemen seines Lebens festzuhalten versucht. Man erkennt,
wie alles Kämpfen vergeblich wird und scheitert kläglich.
Das andere ist das bewusste Sterben. Das ist eine Kunst, die „ars
moriendi“, die Kunst des Sterbens, deren Meisterschaft man nicht erwarten
kann von Menschen, die sie während des Lebens nie gelernt hatten. Es ist
eine freudvolle Entkrampfung.

Sa, 20. Juli 2024

Das Verschütten ist ein aktiver Prozess, in dem man auf Angst reagieren
will, die man nicht vollständig wahrhaben möchte.
Wir dürfen aufhören mit dem Glauben, dass Dinge in der Vergangenheit
verschüttet wurden. Weil ich in diesem Moment den Wunsch nach
Unwissenwollen in mir trage, ist die Unwissenheit noch immer meine
Erfahrung.
Es ist auch nicht so, dass die Dinge verschüttet wurden in der
Vergangenheit – sondern ich verschütte sie.

Fr, 19. Juli 2024

Die Kraft an sich hat keine bestimmte Ladung in eine Richtung. Sie bekommt
diese Ladung erst durch den Anwender der Kraft – also in der
innerweltlichen Identifizierung – vom eigenen Geist, der sich dieser Kraft
bemächtigt und sie auf eine bestimme Weise nutzt.
Es gibt auch den freien Gebrauch von Kraft… als Seele handelnd, ohne
Eigeninteressen, welche man anhand von ihr durchringen möchte. Diese freie
Anwendung beginnt in der Erkenntnis, dass alles bereits in besten Händen
aufgehoben ist in Gott und führt hin zur übergebenden Hingabe an seine
Absicht.

Do, 18. Juli 2024

Sehnsucht ist keineswegs ein Hinweis darauf, dass man auf einem
Freiheitsweg wandelt. Sie kann geradeso gut ein Weg in die nicht
endenwollende Unerfülltheit sein.
Die Frage, die innerlich brennen genau betrachtet werden darf, ist: Wem
dient die Sehnsucht?

Mi, 17. Juli 2024

„Lieber zum Alten zurück als zu erforschen, was vor einem liegt“ – das ist
die Mentalität des Einsschlafenwollens.
Wenn ich nicht die vollständige Bereitschaft in mir trage, geschieht nicht
wirklich etwas.
Alles unter 100 % ist nicht ausreichend.
Und dennoch bleibt auch die kleinste Bemühung nie vergeblich.

Di, 16. Juli 2024

Man muss nicht die Wertlosigkeit des Ichs, seinen Minderwert, bearbeiten.
Dies könnte zwar zu vorübergehenden Erfolgen führen, und das Ich fühlt sich
wieder selbstbewusster. In Wirklichkeit wird es doch nur ichbewusster. Die
vorübergehende Stärkung des Minderwerts ohne die Wurzel zu berühren– das
Vergessen eigentlicher Identität – hat bedingten relativen Wert.
Das Selbst hat Identität unabhängig davon, wie der Marktwert des Ichs
gerade steht. Es ist geliebt von Sri Krishna.

Mo, 15. Juli 2024

Man hängt sich fest an unnütze Äusserlichkeiten, Fassadenspiele und
Anhaftungen an bestimmte Aggregatszustände der Aussenwelt und ärgert sich
doch ganz in der Tiefe drin, dass man es tut. Das ist die Stimme der Würde
als Seele.
Das Unbehagen, dass man das eigentlich Wesentliche vernachlässigt, bleibt.
Der innere Aufruhr, dass der momentane Zustand nicht einfach nur
korrigiert, leicht erträglicher gemacht, aber doch beibehalten wird, ist
der Beginn der Selbsterforschung.