Mi, 23. Juni 2021

Die Ich-Entwicklung ist nur eine Sprosse auf einer Leiter umfassenden
Wachsens.
Aber manchmal will diese dann trotzig seine Position verteidigen und
blockiert eine Weiterentwicklung. Dies ist eine Form der Herrschaft und
kindlichen Tyrannei des Ichs– und man hält diese sogar noch für den freien
Willen.
Das Missverständnis darf sich auflösen – Es ist aber nicht so, dass der
Tyrann den Tyrannen auslöschen kann. Keine Gewalt kann mit Gewalt beseitigt
werden.
„Dein Wille geschehe“ – wäre die natürliche Fortsetzung einer Ich-
Herrschaft.

Di, 22. Juni 2021

Die Philosophin und Mystikerin Simone Weil betont, dass das Zweifeln kein
Feind des Glaubens ist, sondern dass ein methodischer Atheismus zur
Läuterung des Glaubens führen könne.
„Religion im Sinne eines Trostspenders verstanden, ist ein Hindernis für
wahren Glauben und Glaubenszuversicht. Wenn dies der Fall ist, kann man
Atheismus als eine Reinigung und Motivationsklärung verstehen.“
(“on science, necessity and the love of God, London, Oxford University
Press, 1968)

Mo, 21. Juni 2021

Gleichgültigkeit zu Gott ist das Wurzelproblem jeder Seele.
„Von zwei Menschen, die Gott nie erfahren haben, ist ihm derjenige, der ihn
leugnet, vielleicht näher.“ (Simone Weil, Cahiers 2, Srimad Bhagavatam
7.1.30)

So, 20. Juni 2021

Wenn ich in einem Traum Millionär werde und mich darüber glücklich wähne
oder in tiefer Panik bin, da ich gerade von einem Hai gefressen werde…..
beides ist doch eigentlich gleich unwesentlich in dem Moment, wo ich
aufwache.
In uns gibt es einen inneren Raum, der von Verlust und Erfolg nicht berührt
ist…. da beginnt, die Erfahrung der Seele.

Fr, 18. Juni 2021

Man hat eine kreatürliche Angst vor einer Intensität, die sich ergibt, wenn
man alle Normen und Einschränkungen verlässt und das, was das Kollektiv als
unbegehbar betrachtet, beschreitet.
Einfach nur zu funktionieren bedeutet doch nur, der alten Spur des bisher
Erlernten weiterhin alles Vertrauen zu schenken.
Der innere Weg ruft aber in diesem Bereich zu einem vollständigen
Vertrauensbruch auf.

Do, 17. Juni 2021

Der Glaube, dass das Funktionieren im grossen Räderwerk der Welt über alles
ginge, ist eine Leidensquelle. Das Austreten aus dem Funktionieren-Müssen
in der Gesellschaft ist ein ganz wesentlicher Bestandteil, welches auf dem
inneren Weg zu geschehen hat.
Denn das Nicht-Funktionieren nimmt man als Tod an und glaubt, solange man
irgendwie noch funktioniere, hielte man sich über Wasser, und damit am
Leben. Dieses Bekenntnis hat einem eingeimpft, dass unterginge, sobald man
nicht mehr funktioniere.
Für einen Menschen, der den inneren Mut aufbrachte, sich von dieser
kollektiven Programmierung zu lösen, ist genau dieser erstaunliche Moment,
dass man ja doch nicht untergeht, der Moment, in welchem effektive
Transformation geschehen kann.

Mi, 16. Juni 2021

Jede Vorstellung, die man sich über das ungebändigte Leben macht, ist schon
wieder ein Versuch, es zu bändigen.
Eine Herausforderung des inneren Weges besteht im Ausbrechen, ohne
gewaltsam etwas zu tun.
Man darf aus der Ferne zuschauen, wie das Ich, die Repräsentation von
Kontrolle und Gottes-Isolation, zusammenbricht und es zulassen, wie man im
Strom der bedingungslosen Hingabe zu Gott geführt wird.

Di, 15. Juni 2021

Für die Begegnung des Sterbemomentes muss man nicht einmal den Zerfall des
Körpers abwarten – denn er ist jederzeit möglich. Ich brauche nicht die
nächste Gefährdung des körperlichen Lebens abzuwarten, um in die innere
Intensität zu gelangen. Die konstante Anwesenheit des Todes lässt einen das
Leben wesentlicher leben.