Sa, 28. Mai 2022

Das Ich hat eine Tendenz, sich dermassen zu übernehmen und zu glauben, dass
alle Dinge nicht mehr funktionierten, dass es letztlich sogar Gott falsch
mache, wenn es selber die Handlung unterliesse und nicht das Ruder
übernehme.
Selbstüberschätzung lastet immer schwer auf einem und verunmöglicht die
Leichtigkeit des nackten Seelen-DaSeins.

Fr, 27. Mai 2022

Aus mangelndem Glaube heraus entsteht schnell einmal die Übergläubigkeit.
Das ist ein Ausdruck der Religion, die aus sich sehnendem Sicherheits- und
Aufgehobenheitsbedürfnis entsteht und eine starke Tendenz zu verfestigten
Glaubensvorstellungen in sich trägt.
Wenn man sich aller Ungewissheit stellt, entsteht eine natürliche und
authentische Gläubigkeit – den erlebten Sinngehalt aller Schöpfung.

Do, 26. Mai 2022

Die Folge einer Existenz ausserhalb seiner Seele ist Identifikation mit
einem Mangel-Selbst, das an Minderwert leidet und immer bedroht ist, etwas
falsch machen zu können. Eine Folge davon ist die Selbstüberhöhung, die
Vorstellung, alles in die Hand nehmen zu müssen, damit es richtig
geschieht.
Dabei funktioniert alles so wunderbar, wenn man die Kontrollier-Sucht
aufgibt und sich gleichzeitig völlig frei von Resultatserwartungen einfach
engagiert frei von Ängsten eigener Fehlbarkeit.

Mi, 25. Mai 2022

Kein Kind überprüft das, was ihm gelehrt wird.
Deshalb nehmen Kinder zwangsläufig das an, was ihnen aus der Gesellschaft,
ihrer Umgebung, von den Eltern und ihren ersten Lehrern gelehrt wird.
Aus diesem Grund ist der innere Weg auch nicht für Kinder geeignet, denn er
beginnt im genauen Überprüfen sämtlicher Überzeugungen, die man als
geistiges Gepäck mit sich trägt.
Dieser angstfreie Aussortierungsprozess lässt alles zurück, was in der
Wirklichkeit keinen Bestand hat, was unwahr ist. Darin liegt eine
Rücksichtslosigkeit, die weh tun kann, da sie die angewöhnte Welt in
Aufruhr versetzt.

Di, 24. Mai 2022

Grübeln und im Geiste drehen ist nicht die wache Hinterfragung, von denen
heilige Texte sprechen. In der Haltung, nichts gewinnen zu wollen und
nichts mehr verlieren zu können tritt man in geistiger Klarheit frei vom
Bezugsrahmen des ängstlichen Ichs an das heilige Thema heran. Dann bewirkt
diese Auseinandersetzung Aufwühlung und nicht die Bestätigung alter
Glaubensanschauungen.

Mo, 23. Mai 2022

Arroganz und Überheblichkeit sind nur Ausdruck davon, dass man nicht weiss,
wo man steht und was die eigene wirkliche Position ist.
Jede Verurteilung seiner selbst dafür hält jedoch nur das Rad der
Verstrickung am Laufen: Aus der Erniedrigung versucht man wieder
aufzusteigen und sich zu überhöhen.
Absturz in die Erniedrigung und Überhöhung in die Arroganz ist einer der
ganz grossen Kreisläufe des Ichs, durch die sich die Menschen immer wieder
selbst gefangen nehmen.

So, 22. Mai 2022

Auf dem inneren Weg beginnt man Grundfesten, auf der die ganze innere Welt
aufgebaut ist, in Frage zu stellen, zu erforschen – und was stellt das für
eine Erleichterung dar, sie einstürzen zu lassen. Man wird nun erleben,
dass das, was früher die sakrosankte Weltperspektive war, eigentlich nur
eine unglaublich schwere Last darstellte.

Sa, 21. Mai 2022

Überheblichkeit ist die Konsequenz, wenn jemand Wissen angenommen hat, das
auf Fundamenten ruht, welche nicht die eigenen sind. Man nimmt Wissen aus
zweiter Hand an und schmückt sich mit fremden Federn, indem man es als das
Eigene präsentiert.
Jemand, der Erkenntnis aus der direkten Erfahrung und der Innenschau
erlangt, wird nicht überheblich.
Diese Überheblichkeit verkauft sich als Religion, als Spiritualität und als
Moral. Es gibt viele Etiquetten, mit denen sie sich gut auf dem Markt
präsentieren kann.
Es gibt Momente der existenziellen Erschütterung, in denen man erahnt, dass
das geglaubte Wissen, das man für Erkenntnis hielt, auf Sand gebaut war.
Das sind die Heilmomente, die zugelassen werden dürfen.

Fr, 20. Mai 2022

Am Anfang des Weges glauben die Menschen, viel zu wissen.
Die Anfänger wissen immer viel mehr als die Fortgeschrittenen.
Menschen, die den inneren Weg noch gar nicht betreten haben, glauben
eigentlich, fast alles zu wissen.
Man glaubt, man hätte einen Geist, der frei arbeitet und frei alles
überprüfen kann und man glaubt, eine Vernunft zu besitzen, die klar genug
ist, alles zu überschauen und verstehen.
Aber weil einem die Schau über die grundlegende Funktionsweise dieser
Organe fehlt, hat man keine Ahnung davon, dass alles, was man zu wissen
meint, sich eigentlich zusammensetzt aus dem, was einem in der
Vergangenheit gelehrt wurde und was man als Kind begonnen hat, nachzuahmen.
Es ist nicht aus einem Leben, sondern aus Tausenden von Jahren
Menschheitsgeschichte entstanden.
Das, was es aufzugeben gilt, um einen frischen Blick auf die Wirklichkeit
zu richten ist viel grösser als man sich erst einmal vorstellen kann.

Do, 19. Mai 2022

Der Geist hat die Fähigkeit, die gelernten Überzeugungen als Wissen zu
verkaufen. Aber es hält der Überprüfung im Lichte der Wahrheit nicht
wirklich stand.
Wenn im heiligen Studium das Wort Gottes wirklich zum eigenen Herz gelassen
wird und dort einwirkt, dann ist das eine transformative Erfahrung, die
nichts mehr gemein hat mit erlerntem Wissen.