Montag, 27. Juli

Wenn dieses Leben für die Schritte auf Radha-Krishna hinzu reserviert wird, dann wird alles Erlebte zu einem Bestandteil dieser Reise. Damit werden die einzelnen Lebenserfahrungen nicht mehr zu isolierten abgetrennten Ereignissen, sondern zu Wegstrecken zum motivlosen Liebesdienst für Radhe-Syam. Es ist nicht mehr der zersplitterte Blick auf die einzelnen Geschehnisse hin, sondern eine einpünktige Schau auf Sie hin.

Sonntag, 26. Juli

Es gibt Menschen, die sich zu wenig begeistern lassen. Ihnen ist alles gleichgültig. Gelangweilt und teilnahmslos verbringen sie ihr Leben. Manchmal nennt man solche Mitmenschen „uninspiriert“, da es ihnen an „spiritus“, an Geistigkeit fehlt.
Andere sind euphorisch. Sie verlieren den Blick für die Wirklichkeit ausserhalb ihrer Auffassung. Hier geht die Begeisterung in Fanatismus über. Dabei geht die Geistigkeit verloren.
Sattvische Begeisterung liegt in dieser Pole. Sie verbindet Realitätssinn mit Phantasie, Vernunft mit Willen, Sachlichkeit mit Gefühl, vorsichtige Skepsis mit Optimismus.

In der Gita (18.26) beschreibt Krishna begeistertes Bemühen als ein Symptom von sattva. Begeisterung ist aber gemäss Rupa Goswami (Upaseshamrita, Vers 3) ein erstes Wesens-Symptom der Bhakti.
Wenn die Intention der Eigensucht (rajas) und der Bequemlichkeit (tamas) wegziehen, bleibt die natürliche Glücksgefühl, das sich in einer freudigen Bemühung umsetzt. Das ist die sattva-Qualität einer Bemühung. Wenn nun die Erfreuung Radha-Krishnas die Grundmotivation der Tätigkeit wird, resultiert daraus eine heilige Begeisterung. Diese nennt Rupa Goswami den „heiligen Enthusiasmus“.

Samstag, 25. Juli

Unser Leben ist nicht mehr das allein auf sich selbst gestellte „In-der-Schöpfung-herumirren“. Nicht mehr ein blindes Herumtapsen. Es ist nun das von unzähligen erstaunlichen Persönlichkeiten, mit denen wir historisch gesehen nicht einmal unbedingt zeitgleich hier existieren müssen, „an der Hand genommen zu werden“.
Die spirituellen Entdeckungen sind nicht das Resultat unseres Mühens hier, sondern das Resultat des sehnlichen Wunsches grosser Seelen, den Liebesdienst zu Radha-Krishna auszudehnen, welcher auch uns miteinbezieht.
Und die erwachte brennende Sehnsucht in uns ist auch nicht eigene Errungenschaft, sondern ihr Gelingen, durch alle Bedeckungen hindurch sich bis in unser Herz vorzuarbeiten.

Donnerstag, 23. Juli

„Alles, was innerhalb der Zeit, also in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, geschieht, ist nichts als ein Traum. Das ist das geheime Verständnis in allen vedischen Schriften.“ (Bhagavatam 4.29.2 b)
Solche Texte verleiten den Unreifen dazu, sich der äusseren Welt unversöhnt einfach zu entziehen und sich nur dem inneren Leben zu widmen. Denn wenn jemand aus der geringsten Welt-Enttäuschung heraus zu Bhakti findet, bedeutet dies, dass er eines Aspektes des Traumes, der Vergangenheit, einen nicht-existierenden Wert zuschreibt und demnach handelt. Dies führt nicht zum Erwachen aus dem Traum, sondern legitimiert den Schlaf.

In der Annahme aller Verantwortung dieser Welt beginnt man langsam, aus dem Traum der materiellen Welt zu erwachen.

Mittwoch, 22. Juli

„Sri Krishna existiert als Paramatma im Innersten aller Lebewesen. In Menschen, Vögeln, Säugetieren, Pflanzen und Kleinstlebewesen. Deshalb sollte man jeden Körper als eine Residenz oder einen Tempel von Sri Krishna achten.
Durch eine solche Sichtweise der Gleichheit wird man den Höchsten zutiefst erfreuen.“
(Bhagavatam 6.4.13)
Die egalitäre Perspektive ist die Sicht der Wahrheit und diese erfreut Krishna.
Jede Überhebung über ein anderes Mitgeschöpf würde eine Abweichung von der Verehrung Gottes darstellen.
Wenn Krishna sich in der Bhagavad Gita an seine Geweihten erinnert, ist die völlige Neidlosigkeit die erste Eigenschaft, die er erwähnt (12.13).

Dienstag, 21. Juli

Es gibt kein verlässliches Arrangement, den Fluss von transzendentalem Wissen in die materielle Welt hinein zu garantieren.
Die Information der heiligen Schriften mag noch vorhanden sein, aber es ist die Bhava, die Stimmung der Gottesliebe in ihr, die diese erst lebendig macht. Die erhält man von verwirklichten Seelen.
Die Gnade des Höchsten sendet seine ewigen Gefährten in diese Welt hinein. Deshalb ist eine solche Begegnung immer ein grosses Wunder.

Montag, 20. Juli

Der ausgedrückte und klar formulierte Zweifel beginnt einen Prozess zu initiieren, in welchem einem Antworten von überall her geschenkt werden.
Verdrängter Zweifel ist ein schwelender Prozess, welcher letztlich das Grundvertrauen, das wesentlichste Merkmal inneren Fortschrittes, beeinträchtigt.
Deshalb fordert der innere Weg eine Atmosphäre, in welcher Zweifelsformulierung willkommen ist und eingeladen wird.

Sonntag, 19. Juli

Wir alle sind Passagiere im Abteil eines Zuges.
Auf der Reise steigen wir mehrmals um in verschiedene Züge. Für ein paar Kilometer steigen noch andere Passagiere ins Abteil ein. Während der Fahrt steigen einige wieder aus. Neue Mitfahrer steigen hinzu. Nach einiger Zeit muss auch ich den Zug wieder wechseln und trete in ein neues Abteil mit anderen Reisenden ein.
All die Menschen, die man seine Freunde, Familie, Kinder und Partner nennt, sind nur die momentane Abteils-Gemeinschaft. Wir sind alles nur fremde Reisende durch die Fremdheit der Welt. Der Zusteigende nennt man den „Neugeborenen“. Der Gestorbene ist derjenige, der aus dem Zug aussteigt.
Dass man die Momentan-Situation der beziehungslosen Reisenden als feststehende Umgebung betrachtet, ist nur das Wirken der erstaunlichen Kraft Maya`s.

Samstag, 18. Juli

Mein Leben fliesst einfach so vorbei. Dieses Geschenk ist so zeitweilig, flackerhaft und fragil. Weggewaschen von Fluss der Zeit mündet man schon bald im Ozean des Todes.
O Krishna, diese Tage, die vorbei sind, werden nie wieder zurückkommen.
Ich verschwendete so viel Zeit.
Ich weiss, du bist der Freund derjenigen, die keine Hoffnung mehr ins Sinnlose investieren wollen.
Ich flehe nun, mich anzunehmen, nicht aufgrund meiner Qualifikation, sondern einzig aufgrund deiner Eigenschaften wie deinem Mitgefühl.