Donnerstag, 5. September

Weltliches Bitten generiert nicht sraddha (heiliges Grundvertrauen), sondern zerstört es. Denn alles, was glaubt, durch die Gnade erhalten zu haben, ist nur das einem gewährte eigene Karma. Die Gleichsetzung von weltlichen Abläufen mit Gott und seiner Absicht ist eine Projektion, die sehr ungesund ist für jegliche spirituelle Entwicklung.
Die Religionen haben die Haltung, dass man sich mit egozentrischen Anliegen an Gott wendet, gelehrt. Da diese dann doch letztlich nie erfüllt werden können (Bhagavad Gita 3.39), führt dies die Menschen in eine Gottesenttäuschung und in eine Gleichgültigkeit zu Gott hin.
Und wenn jemand ein karmischer Ablauf, wie eine körperliche Heilung, als Gottes Intervention betrachtet, dann wird er genau in dem Masse, wie er sich die Heilung erhoffte, Widerstand haben, wenn einem die körperliche Gesundheit vollständig zerstört im Zeitpunkt des Todes.

Mittwoch, 4. September

Lalita fragte:
Wie ist Er dir denn vor deinen Augen erschienen?
Sri Radhika öffnete ihr Herz:
Ari Sakhi, O du liebe Freundin!
Als erstes nahm ich ein blaues Leuchten wahr…. und gleich danach hat der Geruch von Moschus meine Nase berührt.
Und dann hat eine bezaubernde Flötenmelodie Eingang in meine Ohren gefunden und als nächstes hörte ich das liebliche Klingen von Fuss-Glöckchen.
Doch dann sah ich nur Blitzlicht und daraus sprang mich alle gesammelte Schönheit in personifizierter Gestalt direkt an.
Zuletzt ist in allen Himmelsrichtungen nur Glückseligkeit aufgetaucht. (Padyavali von Rupa Goswami)

Die allmähliche Offenlegung seiner Gestalt folgt in immer neuen Schritten und dauert endlos an.

Wenn Radhika nach langer Zeit der Trennung Krishna endlich wiedersehen kann, ist sie so überwältigt, dass Tränen diese Schau gleich wieder verbergen. Sie beginnt so zu zittern, dass sie Krishna nicht mehr zu umarmen vermag. Dieser Augenblick des Zusammenkommens enthält gleich auch wieder neue neuer Trennungsschmerz und erhöht sogleich die Sehnsucht nach Begegnung. ad infinitum.

Montag, 2. September

Liebe ist die Grundsehnsucht einer jeden Seele… nach Austausch, Dienen und Freude. Doch wenn sie in ihrem Zielobjekt verstreut wird in die Welt, dann hat sie nicht die Kraft, die ihr innewohnt. Die Prema, die etwas anderes ist als Sympathie zu Mitwesen auf dem Weg, zielt immer nur auf die Erfreuung von Radha-Krishna hinzu, ohne etwas von ihnen zu erhoffen für das eigene Wohlbefinden und ohne Forderung nach Erleichterung. Dann wird sie einen erst freudig beleben können, genauso wie Nahrung einem nur zu nähren vermag, wenn sie dem Mund zugeführt wird.

Sonntag, 1. September

„Tief flehe ich für heiligen Geschmack im heiligen Namen und um das Geschenk der Prema (der reinen Gottesliebe). Erst dann beginne ich, deine Gnade zu verstehen.“
(„Sakala Vaishnava Gosai, 6 Strophe)
Wenn der innere Weg noch nicht beschritten wird, glaubt man, Gnade sei, wenn Gott sich nach dem Eigenbegehren richten würde. Das ist die Erwartung an einen Wunderglauben. Damit ist gemeint, dass Gnade in irgendeiner Weise als das Eingreifen Gottes ins Zeitgeschehen verstanden wird.
Durch die spirituelle Praxis reift und weitet sich auch das Gnadenverständnis. Gnade ist die einem offen gelegte Möglichkeit zur Hingabe.

Samstag, 31. August

Wenn sich durch die aufrichtige Suche einer Seele die Gnadenkraft zu kondensieren beginnt, besteht ihre erste Wirkung in einem erkannten kleinen Funken von Sraddha, unerschütterlichem Vertrauen. Dieses bewirkt endloser und freudvoller Seva zu Krishna und die eigene Wahrnehmung, dass es keine Errungenschaft gibt im gesamten Universum, welche einem wertvoller erscheinen könnte als dieser Liebesdienst.

Freitag, 30. August

Wenn Anfeuerholz stark aneinander gerieben wird und dabei Hitze produziert, entstehen auch Funken, wenn dazu noch viel Luft zugeführt wird.
Wenn dann das Feuer erweckt ist, wird es mit Ghee genährt, damit es aufflammt.
Genau auf solche Weise werde ich selber manifest in den heiligen Unterweisungen.
(Bhagavatam 11.12.18)
Sri Krishna erklärt hier die vertraulichste Bedeutung vedischen Wissens.
Es ist eine allmähliche, sich schrittweise eröffnende Offenbarung.

Donnerstag, 29. August

Sadhus nehmen freiwillig viele Beschwerlichkeiten auf sich, da die Menschen dieser Welt an der Vergessenheit ihrer Beziehung zu Krishna leiden.
Dies wird als die höchste Verehrungsart der Höchsten Persönlichkeit Gottes verstanden, welcher im Herzen eines jeden residiert. (Bhagavatam 8.7.44)
Die Sadhus tun dies, weil sie Krishnas Herz genau kennen und wirklich verstehen, wie sehr sich Krishna nach jeder einzelnen Seele sehnt. Er leitete bereits viele Arrangierungen ein und legte unterschiedlichste Netze, welche die Seelen jedoch umgingen. Die Sadhus sind der verlängerte Arm, die wahrnehmbarste Gestalt von Krishnas Gnade – seines Wunsches nach der Seele. Wenn man Sadhus wirklich begegnet, das heisst ihnen die innerste Aufmerksamkeit schenkt, kann man gewiss sein, dass sie schon lange an uns gearbeitet hatten.

Mittwoch, 28. August

Alle Begeher des inneren Weges hatten die Einsicht, dass man seine eigene bekannte Welt verlassen musste, um sie erkennen zu können, dass man nur wirklich friedlich werden konnte, wenn man zuvor ‚wild‘ gewesen war oder dass man nur dann in der Lage war, im eigentlichen Sinn des Wortes zu leben, wenn man die Bereitschaft gezeigt hatte, zu sterben.

Dienstag, 27. August

„So wie jeder Fluss, die in den Bergen geboren werden, von allen Seiten her ins Meer fliessen, so fliesst jede Art der Sehnsucht, jede Verehrung, jede Regung nach Liebe, immer zu Krishna hin.“ (Bhagavatam 10.40.10)
In der Unbewusstheit dessen, wenn die Verehrung also noch indirekt bleibt, wirkt jede Liebesregung, die sich im endlos Vorläufigen verstreut, noch immer bindend. Die Morgenröte der Erkenntnis dieses Verses löst eine ungeheure Beschleunigung aus, da man die Hingabe als einzige Wesensaufgabe versteht.