Montag, 30. März

Krishna sagt in der Bhagavad gita (7.25), dass er sich selber verborgen hält damit man nicht auf die Idee kommt, ihn für sich und seine Eigeninteressen zu vereinnahmen, ihn zu besitzen und zu meinen, man wüsste ganz genau über ihn Bescheid. Sein Verborgensein zeigt uns, dass er der unverfügbare und ganz andere Gott ist, nachdem man immer wieder neu zu suchen hat.
Augustinus schreibt: ut inventus quaeratur, immensus est (Gott ist derjenige, bei welchem das Suchen weitergeht, selbst nachdem man ihn gefunden hat).
Als Krishna Narada eine Segnung anbietet, bittet dieser:
„O Sri Krishna, möge deine Gnade so wirken, dass kein Bhakta je zufrieden ist mit seiner Liebe und Hingabe zu dir, da du transzendentale Glückseligkeit in personifizierter Gestalt bist.“ (Brhad Bhagavatamrita 135)

Sonntag, 29. März

Wir sind von der Vergangenheit darauf geeicht, bestimmte Zustände erfahren zu wollen und zu anderen Zuständen in Abwehr zu sein. Das ist das System des Geistes, das aus Vorlieben und Abneigungen besteht.
Wenn es einem nicht mehr um bequeme Annehmlichkeit oder dem Ausweichen von riesigen Herausforderungen geht, ist man bereit, Neues zu erleben.

Samstag, 28. März

Das Opium des Wiegenliedes aufsuchen…. Dies ist die Sehnsucht nach Regression in einen angenehmen Zustand, den man einmal erlebt hatte.
Nostalgische Rückschau hat keinen Berührungspunkt mit dem inneren Weg, der nur aus einem Ausblick auf das göttliche Paar besteht. Kein Kurs eines Schiffes ist vom Kielwasser, also von dem, was war, geprägt.

Freitag, 27. März

Dem Trost haftet noch immer eine Form der Bemühung an. Man muss Ausschau halten, wo man ihn findet könnte und seine Wirkung ist vorübergehend. Der Trost versucht Orte aufzufinden, in welchen man die Dimension des Leidens reduziert findet. Leidensbeschwichtigung hat aber gar nichts mit dem inneren Weg gänzlichen Aufwachens zu tun.
Echtes Aufgehobensein, Verbundensein und Heilsein ist nicht die Folge eines angestrengten inneren Tuns, sondern vielmehr die Folge des inneren Aufgebens jeglichen Tuns und damit des Fallens der Seele in die Zuflucht zu Radha-Krishna.
Da braucht man keine Imitations-Welten des Aufgehobenfühlens mehr zu schaffen. Welten, in denen unbequeme Aspekte des Daseins ausgeblendet werden.
Man hat lange Zeit eine solche innere Wohlfühl-Politik betrieben. Man hat Imitationen des Aufgehobenseins aufgesucht und hat es nun aufgrund dieser Angewöhnung recht schwer, die fundierte Aufgehobenheit davon zu unterscheiden.

Donnerstag, 26. März

Ich beging lange einen Entfremdungsweg von Radha Krishna, um, immer mit grosser Anstrengung verbunden, Distanz von dieser Nähe und Intensität aufzubauen. Distanz durch Urteilen, Überhöhung, Erniedrigung, Besonders-Sein und Grössenwahn…
Und doch kann ich es nicht mehr verbergen, dass in der Hingabe meine grösste Sehnsucht innewohnt.
Da beginnt wahres Mensch-Sein.

Mittwoch, 25. März

In der Wüste erlebt Jesus die Versuchungen des Satan (Matt 4, 1-11):
„Wenn du Gottes Sohn bist, dann…
– verwandle Steine in Brot.“
(Satan thematisiert die animalische Angst vor dem Verhungern und dem Nicht-Erhalten-Werden)
-springe unbeschadet vom Tempeldach herunter.“
(Er offeriert nämlich magische Kräfte und wundersüchtiger Aberglaube)
-unterwerfe die Welten.“
(Er schaut, ob in der Seele ein Machtbedürfnis, eine egozentrische Gier existiert.)
Erst im Nicht-Erergreifen von solchen Angeboten, beginnt Krishna Wirklichkeit zu werden. Denn wenn man sich bereits mit Vorläufigem zufrieden gibt, dann braucht er sich ja nicht anzubieten.

Dienstag, 24. März

Was interessiert dich wirklich? Hast du ein Interesse an dir selbst? Interessiert es dich zu wissen, wer du bist? Interessiert es dich zu wissen, wer Gott ist? Interessiert es dich aus dem traumerfüllten und dem traumlosen Schlaf aufzuwachen, um dich in dir selbst zu verankern?

Ist das Interesse wirklich erwacht oder ist es nur von einer äusseren Instanz, die einem sagte, man sollte es tun, eingenommen worden und verkommt eigentlich zu einer angestrengten verkrampften Angelegenheit?
Das ist dann nur eine kraftlose Anstrengung, die einem nicht zu erheben vermag.

Damit das innere Leben Durchschlagskraft erhält, lässt man sich zum Wurzelwunsch nach Radha-Krishna niedersenken. Den tiefsten und einzigen Wunsch des Menschen. Faszination ist dann die Kraft, die einem treibt.

Dann wird der innere Weg nicht mehr zu einer Disziplinierungsaufgabe, einem Machtspiel zweier Instanzen des Geistes: der trägen und der fleissigen. Die eine Maske ist aber nicht besser als die andere. Geschieht solche Bevorzugung, zementiert man die Existenz von Masken und bleibt in der Ablenkung vom wahren Wunsch.

Montag, 23. März

Wie gut der Geist Gefangenschaft als Freiheit verkaufen kann….
Es ist Freiheit eines streunenden Hundes, der es sich erlauben kann, überall hinzupinkeln. Solange dies unser Freiheitsbegriff bleibt, hat man noch wenig verstanden von der Freiheit, von dem die inneren Lehren berichten.

Sonntag, 22. März

Bhakti bedeutet der Weg der Wandlung der Angst in Ehrfurcht, Erregung und inneres Erbeben.
Wahrscheinlich war es ja das, auf das sie so lange gewartet hatte und in dessen Absenz sie Schreckens-Szenarien umarmte, um wenigstens für Momente sich ein wenig zu übersteigen.

Samstag, 21. März

„Wer Ohren hat, der höre….“ Die Entdeckung, dass man bisher die Ohren gar nicht offen hatte, schenkt eine ganz neue Schau aufs Leben.
Alles Gehörte hatte man durch den Filter „das verstehe ich, das verstehe ich nicht“ gehört.
Damit hatte man alles weggefiltert, was nicht in seine eigene Welt hineinpasste.
Alle Sinnestore sind verstopft mit der Welt des Geistes, mit Vorannahmen, Vor-Urteilen, Vor-Wissen, Halb-Wissen. Es ist nur der Geist, der hört.
Es kann ein Leben lang dauern, um die Augen zu öffnen, doch es genügt ein Blitz, um zu sehen. Es kann viele Leben lang dauern, um die horchsam zu werden, doch es genügt einen Augenblick, um zu hören.

Wenn Krishna zum Selbst spricht, versteht der Verstand erst einmal nichts. Er hört ja nur das, was er hören will. Er ist ja auch gar nicht der Adressat des Mitgeteilten. Aus „Mit-Denken“ wird „Nach-Denken“ und dann reisst der Faden. Man versteht zwar immer weniger, aber hört dafür klarer. Genaugenommen setzt das Zuhören überhaupt erst jetzt ein.

In der aufrichtigen Bereitschaft, die durch Stille vorbereitet ist, beginnt erst richtiges Hören. Dann werden die Checkpoints der Konditionierung durchlässig, bereit, das Gehörte unangetastet passieren zu lassen. Nun wird das Gehörte gleichzeitig auch erlebt.

Wenn Krishna im Augenblick spricht und ich nach-denke – wo ist da die Schnitt-Stelle der Begegnung? Das Hören ist minimal und die Resonanz praktisch inexistent.
Wenn man aber ausgerichtet ist auf den Sprecher, dann beginnt Empfängnis und Berührung. Aus dieser Nähe und Empfängnis geschieht Erkenntnis.