Donnerstag, 6. August

Im Bhagavatam (9.19.2-6) findet man eine Beschreibung, wie Parasuram aufgefordert wird, seine eigene Mutter zu töten und dies dann auch tut.
Das tönt unendlich schockierend.
Natürlich ist damit nicht gemeint, dass man jemanden umbringen soll, sondern es bedeutet, erwachsen zu werden und die Nabelschnur durchzutrennen. Erst im Heraustreten aus der kindlichen Bedürftigkeit kann man anfangen, wirklich zu lieben.

Mittwoch, 5. August

O Syam, Ich bin mir gewiss, dass du genau weißt, dass ich eigentlich nur dich liebe, obwohl ich vorgebe, andere Menschen und Dinge zu lieben. Du kennst mich und weißt, dass wenn ich traurig bin, ich eigentlich nur dich vermisse, obwohl ich andere Gründe nennen würde, wenn man mich danach fragen würde.
Wenn ich weine, dann ist das, weil ich dich vermisse, obwohl meine Tränen andere Namen tragen. Du kennst mich und weißt, dass ich nur nach dir suche, obwohl es so scheint, als würe ich nach unzähligen Menschen und Dingen suchen.

Dienstag, 4. August

„Wie kann ich lieben und in Beziehung treten zu dem, von dem ich mir keine Vorstellung machen kann, weil ich sonst bereits gleich wieder in die Korrumpierbarkeit verrutsche?“

Viele Leben von zartem Ahnen und Sehnen, von bewusst werdender Unerfülltheit auch in den Lebenssituationen drin, die man doch zuvor erstrebt hatte, bewirkten in der Seele eine Konkretisierung. Sie weiss nun, dass es Krishna ist, nach dem sie in jeder Bemühung und in jedem Wunsch immer schon gesucht hatte. Eine Bereitschaft zur Selbstwidmung wird gänzlich natürlich.
Als Folge dieses Kondensierungsvorgangs Gottes im menschlichen Bewusstsein erhält man Gemeinschaft mit reinen und verwirklichten Bhaktas und dem Bhagavatam, welches nichts anderes ist, als der Fingerzeig Gottes zu sich selber hin.
Die Korrumpierbarkeit wäre das selber Erzeugte – das sich aber sehr deutlich von den ersten Offenbarungs-Spuren, die Krishna einem hinlegt, unterscheidet.

Montag, 3. August

Warum wir gehindert werden – Von Meister Eckhardt:

„Nur darum gestattet der getreue Gott, dass seine Freunde oft in Schwachheit fallen, damit ihnen aller äussere Halt abgehe, an den sie sich anlehnen oder auf den sie sich stützen könnten. Denn für einen liebenden Menschen wäre es eine grosse Freude, viele und grosse Dinge zu vollbringen, sei es im Wachen, im Fasten oder in anderen Dingen, in ausserordentlichen grossen und schwierigen Leistungen…
Doch unsere Werke dienen nicht dazu, dass uns Gott immer noch etwas dazugeben solle. Unser Herr will vielmehr, dass seine Freunde loskommen von der Haltung der Selbstbeweisung. Und darum nimmt er ihnen diesen falschen Halt weg (der sich in der Genugtuung erwirkter Taten ergibt, damit allein er ihr einziger Halt sei. Denn er will ihnen Grosses geben. Das will er allein aus seiner freien Güte heraus. So soll allein er ihr Halt und ihr Trost sein. Sie aber sollen an sich nichts anderes denn ein lauteres Nichts finden und erachten, angesichts all der grossen Gaben Gottes.
Denn je entblösster und lediger das Gemüt Gott zuneigt und von ihm dann gehalten wird, desto tiefer wird der Mensch in Gott hineingepflanzt, umso empfänglicher wird er für die wertvollsten Gaben Gottes. Denn allein auf Gott soll der Mensch bauen.“

Sonntag, 2. August

„Ich bin die Funktion der Sinne (Berühren, Sehen, Riechen, Hören und Schmecken) und auch die Kraft, durch welche die Sinne überhaupt die Fähigkeit zur Wahrnehmung haben (durch welche die Sinne die Erfahrung eines Sinnesobjekts machen können).“ (Bhagavatam 11.16.36)
Die Gottesausblendung geschieht nicht nur in den fundamentalen Lebensentscheidungen, sondern kann bereits in jedem kleinen Akt einer jeden Sinnenwahrnehmung geschehen.

Samstag, 1. August

Der wesentlichste Gottesdienst ist direktes Hören, Chanten und Erinnern von Radha-Krishnas Namen, Eigenschaften und Lila.
Äusseres Tun in dieser Welt, das man Ihnen dann widmet, ist wundervoll, man muss dabei aber bedenken, dass die Aufmerksamkeit doch hauptsächlich auf die Tätigkeit selber gerichtet ist. Dabei geschieht schnell die Verknüpfung mit dieser, indem man das Gelingen dem Misslingen bevorzugt. Dies ist das Wesensmerkmal, dass man das Augenmerk von der Erfreuung des göttlichen Paares weggewendet hat.
Im Hören von Radha und Krishna…. speziell von jemandem, der Radha Krishna direkt versteht, wird eine konstante Haltung seva geboren. Praktischer Dienst, die Haltung des ununterbrochenen Dienens, ist eine natürliche Folge von der Begeisterung, die man im Hören von Radha Krishna berühren durfte.

Donnerstag, 30. Juli

In der Praxis von Bhakti geht nicht darum, sich dem Schlamassel der äusseren Welt zu entwinden. Wenn man sich durch Bhakti eine Erleichterung im eigenen Leben erhofft oder die Entledigung vom Leiden und den Wiedergeburten, dann ist dieser Ansatz „jnana-avrita“, das heisst, bedeckt von dem eigensüchtigen Wunsch, weniger Beschwerlichkeit erleben zu müssen.
Der Antrieb in Bhakti ist deshalb nie der Wunsch nach Entbindung, Entlastung oder Entledigung von Beschwernis und auch nicht Tröstung, Milderung oder Heilung davon. Der Antrieb ist immer nur die Schönheit Radha-Krishnas, ihr Lächeln und der Wunsch, ihnen intensiver und näher dienen zu dürfen.

Mittwoch, 29. Juli

Es ist gnadenreich, sich an die existentielle Seins-Unsicherheit zu erinnern und ständig darüber bewusst zu sein. Wir investieren einen Grossteil unserer Lebensenergie darin, sie heilen zu wollen. Diese Heilung wird aber immer unvollständig sein. Ich muss ganz tief in mir zulassen, dass ich nicht geheilt werden muss und soll, denn meine Verunsicherung ist noch die einzige Gottes-Erschütterung in meinem zu eingebetteten Dasein.
Das Sicherheitsstreben, also der Versuch, diese Gottes-Erschütterung zu umgehen, ist deshalb das Symptom der Selbstvergessenheit.
Krishna sagt im Bhagavatam:
„Von allen Arten der Sicherheit bin ich das Seelenbewusstsein“ (Bhagavatam 11.16.26)

Dienstag, 28. Juli

Sri Krishna, du bist in allen Wesen gegenwärtig, alle stammen von dir und die bist ihr Erhalter und Lenker. Dennoch bleibst du aufgrund deiner eigenen Kraft, vor ihnen verborgen.
Du nimmst sie alle wahr, doch sie ahnen deine Nähe nicht. (Bhagavatam 11.16.4)

In der Selbstwahrnehmung, nicht mehr der Sehende, sondern wirklich der Gesehene zu sein, wird das Gebet nicht ins Leere gesprochen, sondern tief aufgenommen und gehört. Jeder heilige Name, den ich anrufe, ist ein direktes Ansprechen von Ihm.