Mittwoch, 19. Februar

„Wenn die Sinne des Lebewesens gänzlich auf den letztlichen transzendenten Sehenden, Gott, gerichtet sind, verschwinden alle Leiden wie für jemanden die Traumwelt entschwindet, wenn er erwacht.“ (Bhagavatam 3.7.13)

Die Praxis der Bhakti versucht nicht, sich künstlich von der Sinnenwelt zu lösen, sondern beschäftigt die Sinne im Sinne desjenigen, der sie uns mit einer bestimmten Intention geschenkt hat.

Dienstag, 18. Februar

Das Leben ist endlich, es ist begrenzt. Überall stösst man auf seine Grenzen. Nicht alles ist möglich. Die Sehnsucht nach Entgrenzung versuchte man zu leben in sportlicher Aktivität, Fortschritt, Karriere und Liebesbeziehungen. Doch das grundlegende Gefühl der Eingrenzung blieb in allen Erfahrungen drin bestehen.
In der Hinwendung zum unbegrenzten Gott, wird er anwesend… und in allem Austausch, in aller Betätigung und in jeder Hoffnung entschwindet die Engheit.
Die Freiheit lag nicht in der Ausdehnung ins Horizontale, sondern einfach im Bezug zu Radha-Krishna. Darin wird alle irdische Begrenztheit ins Unendliche erweitert.

Montag, 17. Februar

„Jemand, der den Mond auf der Wasseroberfläche gespiegelt betrachtet, sieht ihn zittern, weil er nicht auf den Mond, sondern nur auf die Spiegelung schaut. Wenn sich jemand von der Seele abwendet und auf die äussere Spiegelung schaut, nimmt er unterschiedlichste Körper wahr, Männer, Frauen, Alte Kranke, Schöne und Junge. Wenn die Aufmerksamkeit wieder auf die Seele selbst gerichtet ist, vergehen diese Zitterungen der Oberfläche.“
(Srimad Bhagavatam 3.7.11)

Jegliche Veränderung im körperlichen Dasein, auch Geburt und Tod, hat keinen Bestand mehr, wenn man auf die Seele schaut.

Samstag, 15. Februar

Man kann nie zweimal im gleichen Fluss baden und im gleichen Körper auch nicht zwei Atemzüge machen, denn der nächste Atemzug kommt bereits wieder in einen sehr veränderten Körper hinein.
Es ist doch erstaunlich, dass man an die Permanenz dieses Körpers glaubt, der nicht einmal für zwei Atemzüge besteht.

Freitag, 14. Februar

Wenn die äussere Ablenkungen einmal zusammenbrechen oder nicht mehr kontaktierbar sind, berührt man erst einmal eine existenzielle Leere. Die meisten Menschen wollen da einfach wieder umkehren in die Welt der kleinen Freuden. Aber genau da bleibt man und geht durch diesen Zustand der Leere einfach hindurch…. man weiss, es gibt kein zurück mehr.
Da ist ein Grundvertrauen in der Seele, auch wenn man gerade gar nichts mehr spürt. Die Orientierung am Fühlbaren ist gänzlich entschwunden.
Das ist eigentlich nicht ein Punkt von Schalheit, sondern der Beginn von Zufluchtnahme. Das eigene System der Kontrollausübung ist in einem Zustand der Ohnmacht.
Darin beginnt der heilige Name zu wirken.

Donnerstag, 13. Februar

„Wenn jemand mit aufrichtigem Vertrauen im Tempel Gott verehrt, aber den gleichen Herrn nicht auch im Herzen der Geweihten und auch in allen Lebewesen erkennt und ehrt (wenn man Krishna also nur im Tempel, und nicht gleichzeitig im Umgang mit jedem Wesen ehrt), wird ein solcher ein „materialistischer Gottverehrer genannt.“
(Srimad Bhagavatam 11.2.47)

Warum geht man also in den Tempel? Um dann ausserhalb des Tempels einzuüben, den gleichen Herrn in jedem einzelnen Lebewesen wieder zu erkennen.

Mittwoch, 12. Februar

Ich bin, der ich werden kann und will. Beides gehört dazu. Nicht in Form irrealer Wunschprojektion: „Ich würde gern der nächste amerikanische Präsident werden“. Sondern derjenige, der ich real werden kann und will. Ein Zukunftsbild, das ich in mir trage, wirkt gestaltend auf meine Gegenwart. Jeder Mensch trägt in sich einen noch unentdeckten Entwurf seines Lebens – das Angesprochen-Werden Gottes.

Wenn der Mensch in einer Lebenskrise oder auch im Alter sich dann fragt: War denn das mein Leben, was das alles?, dann vergleicht er diesen Ruf Gottes, den er in seinem Herzen spürt, mit seinem bisher gelebten Leben, das er anschaut. Sind die in Übereinstimmung miteinander? Die Unruhe, die in der erkannten Diskrepanz der beiden wahrgenommen wird, ist ein grosses Geschenk.

Dienstag, 11. Februar

Wenn das Bewusstsein einer Person von rajas verblendet ist, und in diesem Zustand auf andere Wesen hinschaut, nehmen sie Unterschiedlichkeit und Verschiedenheit wahr (Bhagavad Gita 18.21). In dieser Wahrnehmungsfähigkeit sieht man unterschiedliche Lebensformen, Rassen, Geschlechter (man nimmt das Gegenüber als Mann oder Frau wahr), Menschen von unterschiedlichem Alter, geografischer Herkunft und verschiedener religiöser Traditionen. Da die Rajas-Perspektive nur die äusserste Hülle sichtbar macht, bleibt man an Fassaden stehen und schaut nur auf Unterschiedlichkeit. Wenn nun diese Perspektive noch mit tamas verdunkelt wird, versteht man die Unterschiedlichkeit als Bedrohung, die nivelliert und bekämpft werden soll (18.22)
In sattva nimmt man die unterschiedlichen Überkleider von Geschlecht, Religion oder Rasse zwar wahr, aber gleich dahinter erkennt man die Verbundenheit und Gleichheit mit allen Wesen als spirituelle Seelen.

Montag, 10. Februar

„deus lo vult“ war der Schlachtruf des ersten Kreuzzuges, als tausende von Rittern im Jahre 1096 loszogen, um Jerusalem zu erobern. „Gott will es!“
Der Ausdruck gibt Zeugnis für ein religiöses Sendebewusstsein, das zur Erreichung seiner Ziele auch Gewalt einzusetzen bereit war. Militärische Gewalt wurde entsprechend dem Modell des gerechten Krieges als auf Verteidigung bzw. Rückeroberung widerrechtlich angeeigneter Gebiete ausgerichtet für sittlich vertretbar, ja sogar für gottgewollt gehalten. Der Kreuzzug als Krieg der Papstkirche wurde – so die Intention des Ausdrucks – in der Stellvertreterschaft Gottes geführt.
Die grösstmögliche Verdrehung besteht darin, der Wille Gottes zu seinem eigenen zu gestalten. Die ultimative Aufblähung des Ichs besteht darin, dem Ich göttliche Legitimation zu geben.
Gottes Wille und mein tiefster Wille sind kongruent. Sie sind dieselben. Es bedeutet aber, dass sich der Eigenwille dem Gotteswillen ein gesamtes Leben lang immer wieder anzupassen hat. Dazu muss man erst einmal die Unergründlichkeit dieses Willens annehmen. Denn daraus ergibt sich eine aufrichtige Erforschungsreise, die mit dem radikalen Zurücknehmen des Glaubens an den Ichwillen fragmentweise die Offenbarung des wirklich grossen eröffnet. Staunen und Freude ist das Resultat davon. Verbissene Rechthaberei und Gewaltbereitschaft – der eigentlich verzweifelten Einsicht, im Unrecht zu sein – können in der Gegenwart der Wirklichkeit nicht mehr bestehen.