Sonntag, 25. August

Heilige Erfahrungen sind schwer in die Worte der Welt zu übertragen. Aber man wird die Erfahrungs-Spuren in den Worten nachempfinden können.
Der französische Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal nähte im Jahr 1654 einige Aufzeichnungen in sein Mantelfutter ein. Dort fand man sie acht Jahre später nach seinem Tod. Darauf stand:
„Am Montag, 23.11.2019

Samstag, 24. August

Form, Geschmack, Geruch, Berührung und Klang sind die Objekte der Sinne. Auf dem inneren Weg stellen diese nicht mehr die wesentlichen Orientierungspunkte, die einem eine möglichst angenehme Erfahrung liefern sollen, denn man versucht, sie in Beziehung zu Krishna zu sehen. Alle Lebewesen sind nicht Konkurrenten um die Erlangung dieser Sinnesobjekte, sondern wie alle sind gemeinsame Diener von Krishna, die ihn erfreuen dürfen. Bhaktivinod Thakur schreibt im Bhakti tattva viveka, dass man jeden Geruch als den Duft von Krishna-Prasad verstehen darf.
Alle wunderbaren Speisen existieren dazu, von Krishna gekostet zu werden. Alle Gegenstände, die man sieht, betrachtet der Bhakta als Krishna zugehörig und jeden Klang, den man hört, darf man wahrnehmen, dass er vom Wesen her eigentlich kirtan ist.
In einer solchen Weltschau nimmt man nichts mehr als getrennt von Krishna wahr und die bisher angewöhnte Sucht, die Sinnesobjekte für sich selber zu beanspruchen, verschwindet. Durch die Haltung der Annahme aller Dinge als Instrumente, Krishna zu erfreuen, verschwindet die Trennung der Welt.
Denn wenn man die Objekte der äusseren Welt als Gelegenheit für die Befriedigung der Ich-Lust versteht, wird dies aufgrund der Enttäuschung mit ihnen den Wunsch nach Befreiung (mukti) von der Welt stärken. Dieser aber ist das wesentliche Hindernis zur Bhakti hin, da es eine Umgehung der liebenden Hingabe darstellt.

Freitag, 23. August

Obwohl der Aisvarya-Aspekt Gottes in allen spirituellen Traditionen verbreitet ist und eine wesentliche Einsicht der Gottesbeziehung darstellt, verliert dieser seinen Scharm in der Gegenwart von madhurya.
Wenn die Sonne aufgeht, lässt sie den Mondschein verblassen. Wenn die Lieblichkeit des madhurya-Aspektes Gottes aufgeht, verliert die Seele den Geschmack an Gottes Unendlichkeit und Grösse.

Donnerstag, 22. August

„Ohne meine Geweihten habe ich keinerlei Wunsch, meine gesamten Opulenzen und nicht einmal mein eigenes Selbst zu geniessen.“ (Bhagavatam 9.4.64)

Krishna hat eine inhärente Svarup-ananda, eine beständige Freude aus welcher er besteht. Doch seine svarup-sakti-ananda, die Freude des Austausches mit seinen Gefährten, ist für ihn ungemein viel bedeutsamer.
Krishna offenbart hier, dass er nicht leben kann ohne seine Geweihten. Sie sind ihm wertvoller als sein eigenes Selbst.

Mittwoch, 21. August

„Wenn die Munis in Samadhi (in die Absorption der Erinnerung an Radha-Krishna) eintauchen, vergessen sie vollständig ihre Persönlichkeits-Struktur, ihr Ich-Gefühl in dieser Welt. Genauso wie Flüsse, die ins Meer münden, ihre Namen verlieren, haben auch die Munis die Erinnerung an ihre eigenen Namen verloren. (In Samadhi stellen sich alle mentalen Funktionen ein und die Erinnerung an ein Ich-Gefühl in Verbindung zur äusseren Welt ist nur eine Wirkungsweise des Geistes)

In gleicher Weise sind die Herzen der Gopis durch tiefe Anziehung an Krishna, seine Schönheit, Eigenschaften und Spiele, gebunden. Sie vergessen sich dabei und sind immer in einem Zustand von Samadhi, in welchem sie sich nicht ihrer eigenen Körper, der Welt oder zukünftiger Leben bewusst sind.“ (Bhagavatam 11.12.12)

Obwohl die Gopis inmitten ihres Hauses und ihrer Familie sind, ist ihre Aufmerksamkeit nur auf Krishna gerichtet und sie nehmen nichts ausser ihm mehr wahr.
Die grossen Yogis bedürfen gewaltiger Anstrengungen und nach langer Zeit der Versenkung vermögen sie vielleicht einen ersten Schimmer des Lichtes, das von Krishnas Zehen ausgeht, zu sehen. Doch die Gopis von Vrindavan sind ohne Eigenanstrengung natürlicherweise nur angezogen.

Dienstag, 20. August

Arbeit ist Verfügungs-Stellung an Krishna. Doch wenn noch andere Begründungen und Befriedigungen an sie angehängt werden, wird es sehr schwierig, sich von den Resultaten der eigenen Bemühung loszulösen.
„Lass nie den Erfolg seine Leere verbergen, die Leistung ihre Wertlosigkeit. Ich möchte nicht mehr Papierschirme gegen die gähnende Leere aufspannen.“

„Lass nie den Erfolg seine Leere verbergen, die Leistung ihre Wertlosigkeit. Ich möchte nicht mehr Papierschirme gegen die gähnende Leere aufspannen.“

Montag, 19. August

„Gott braucht dich – auch wenn dir das im Augenblick nicht passt….“
Dag Hammarskjölds Tagebucheintrag nachdem er zum UNO-Generalsekretär berufen wurde.
Dieses Wagnis zur Hingabe ist genau der Moment, in welchem der innere Weg unglaublich aufregend wird. Einen Schritt jenseits der eingerichteten Behaglichkeit beginnt das Terrain Krishnas. Zu oft wird Krishna zu einer bequemen Form auf dem Büchergestell des Lebens benutzt.

Sonntag, 18. August

„Man darf in einem Blitzschlaf von der göttlichen blendenden Kraft an die Schwelle der endgültigen Überwindung (von der Welt) geführt werden – zum Schöpfungsakt des Opfers statt zu körperlicher Vereinigung.“ Dag Hammarskjöld (Zeichen am Weg, S,90)

Der Physiker und Philosoph Carl-Friedrich von Weizäcker vermag dieser religiösen Kenntnis und eigener Erfahrung folgen, wo er in seinem Buch „Die biologischen Grundlagen der Glaubenserfahrung“ über die Verwandlung der Sexualität reflektiert:
„Die Sexualität kann der Evolution in der Fortpflanzung oder in der Steigerung des Bewusstseins dienen. Aber ab einem gewissen inneren Punkt der Intensität in der Bewusstseinsentwicklung reicht sie nicht mehr für beides aus.“ (S. 31)

In der katholischen Tradition wird diese heilige Enthaltung als „evangelischer Rat“, als Ratschlag Jesus für diejenigen, welche sich vorbehaltslos hingeben möchten ohne das Geringste für den eigenen Lebensplan zu beanspruchen.
Dieser Ratschlag wird einem natürlich, wenn man die gesamte Dimension Gottes zu erahnen beginnt. Es ist nicht genug, sich täglich in die Hingabe Gottes zu stellen, denn es geht darum, ausschliesslich und immer darin zu sein. „Jede Zersplitterung öffnet die Tür für den Tagtraum, Geschwätz, heimliches Selbstlob, Verleumdung – alles After-Trabanten des Zerstörungstriebs.“ (Zeichen am Weg S.62)

Samstag, 17. August

So wie die Strahlen des Mondes sich in einem Kristall reflektieren, gibt es auch im eigenen Herzen einen Widerschein, wenn man von den Spielen Radha-Krishnas und ihrem Austausch mit ihren ewigen Gefährten von einem Bhakta hört.
Diesen durch Hören geborener Schimmer in der Seele nennt man „ruci“ – Faszination und tiefe Freude.
Die Praxis der Bhakti wird dann von dieser Begeisterung bewirkt und nicht mehr, weil es der spirituelle Lehrer gebeten hatte, und auch nicht mehr wegen einer bevorstehenden Konsequenz der Vermeidung des Weges (wie z. B. wiederholte Geburten und Tode oder starkes Leiden).
In dieser tiefen Beglückung spielt es auch keine Rolle mehr zu hören, dass es doch die Pflicht einer jeden Seele sei, Krishna zu dienen. Es ist nur noch die Lieblichkeit, die im Herzen glüht, welche einem antreibt, weiter über Krishna zu hören und zu chanten.

Freitag, 16. August

Wir denken, es gäbe eine Beziehung zwischen der Seele und dem Körper, den Gedanken und Gefühlen und der äusseren Welt (deha-atma-sambandha). Die Kraft, die uns das glauben lässt, heisst „maya“, die erstaunliche illusionierende Kraft Krishnas. Die Seele hat keinerlei Beziehung zu allem, was sich wandelt.
Spirituelle Verwirklichungen sind anfänglich nicht Einblicke in die spirituelle Welt und in das Wesen von Radha-Krishna, sondern sie dämmern in einem mit dem Erscheinen von Tattva-Jnan, mit dem klaren Verständnis der Beziehung zwischen uns als Seele, der materiellen Energie und Gott.
Solange man solche Verwirklichungen nicht gänzlich integriert hat, bleibt die Gottes-Schau und der Einblick in Goloka-Vrindavan eine projektive Vorstellung.