So, 03. Juli 2022

Je näher man zur vollständigen Hingabe gelangt, desto wahrnehmbarer wird
auch der Wunsch, einfach nur zu schlafen und zu vergessen.
Die Kraft zur Betäubung geht einher mit dem Wunsch, wirklich aufzuwachen,
dem Wunsch nach Nähe zu Radha-Krishna.
Er scheint sich passiv wie ein Schleier über einen zu legen, aber dieser
Schlaf des Bewusstseins folgte einer eigenen Absicht.
Ist die Absicht zu schlafen noch immer stärker als die Absicht, endgültig
aufzuwachen?

Sa, 02. Juli 2022

Niemand darf einem Menschen das Recht auf Leiden nehmen. Man hat ein Recht,
zu glauben, was immer man glauben will. Jedes Wesen besitzt ein Recht auf
all die angenommenen Überzeugungen.
Wenn man mit der Dimension innerer Freiheit konfrontiert wird, erkennt man,
dass es um etwas gänzlich anderes geht, als dass ich meine beschränkten
Rechte beibehalte.
Der Wahrheit ins Auge zu blicken bedeutet immer das Eingeständnis, dass man
Unrecht hatte. Unrecht, wie man sich selbst, die Welt und die Wirklichkeit
Gottes betrachtet hatte.
Es war nicht unbedingt alles falsch, sondern einfach nur begrenzt und damit
an sich unwahr.
Eine begrenzte Sicht kann Wahrheit nicht berühren und somit auch nicht
vermitteln.

Fr, 01. Juli 2022

Wenn man wirklich mit der Wahrheit konfrontiert wird, setzt sich im eigenen
Geist ein Mechanismus in Gang, der denkt: „Wenn ich jetzt diese
Verkrampfung, die gesamte Leidensgeschichte, den unnötigen Widerstand gegen
Krishna, aufgeben würde, dann müsste ich ja eingestehen, dass ich Unrecht
hatte.“
Das Ich will aber immer Recht behalten. Und so nimmt es in Kauf, weiter zu
leiden.
Wie grotesk dieses Szenario ist, war einem solange unbewusst, bis man
diesen Vergleich klar in Worte gefasst wird.
Recht behalten oder frei sein – was möchte man wirklich?

Do, 30. Juni 2022

Es ist gar nicht schlimm, Unrecht zu haben, wenn das Ich demütig geworden
ist und die Rechthaberei aufgab. In der Sanftmut der Liebe ist es eine
Selbstverständlichkeit, Unrecht einzugestehen und sich dann wirklich
hinzugeben.

Mi, 29. Juni 2022

Entspannte Wachsamkeit ist der natürliche Zustand. Darin muss man nichts
produzieren oder sich vorstellen, sondern nur Gottes Gegenwart, die ist,
bezeugen. Ohne Anstrengung oder Verbissenheit. Das ist japa.

Di, 28. Juni 2022

Was für Traumata ein Mensch in seiner Geschichte auch immer erlebt haben
mag, gibt es dennoch nichts, was rechtfertigen würde, dass man in diesem
Moment, den Widerstand zu Gott weiter aufrecht erhält. Im Aufgeben der
Trennung ist die Versöhnung mit allem, was war, ein Nebeneffekt.

Mo, 27. Juni 2022

In unseren Leben lernen wir, mit Ängsten umzugehen und mit ihnen zu leben.
Der innere Weg aber fragt danach, woher sie denn wirklich stammen.
Jede Furcht hat ihre Wurzel in der Selbstisolation und Distanzierung von
meiner Beziehung zu Radha Krishna.

So, 26. Juni 2022

„Hier begriff ich, dass man sein Leben so weit als möglich leben müsse,
nicht dem Tage nach, sondern in die Tiefe. Dass man nicht das nächste tun
muss, wenn man fühlt, dass man am Übernächsten, am Fernen, am Entferntesten
mehr Anteil hat. Dass man träumen darf, während andere retten, wenn diese
Träume wirklicher sind als die Wirklichkeit und notwendiger als Brot. Mit
einem Wort: dass man die äusserste Möglichkeit, die man in sich trägt, zum
Massstabe seines Lebens machen müsse. Denn unser Leben ist gross, und es
geht soviel Zukunft hinein, als wir tragen können“
Aus „Du musst Dein Leben ändern“, Texte von Rainer Maria Rilke

Sa, 25. Juni 2022

„Bhakti ist ein besonderes Lieben. Liebe im transitiven, nicht im
reflexiven Sinne. Also ganz auf die Freude des Du Gottes ausgerichtet –
auch wenn das am Anfang bedeutet, einfach zu tun, was Er anordnet (Vaidhi-
Bhakti).
Man könnte ja auch motiviert sein, jemanden zu lieben, weil das Gefühl, zu
lieben, einen selbst einfach so glücklich macht…. Wenn man aber
„transitiv“ liebt, vergisst man sich selbst und sein eigenes Glück oder
Leid. Das ist also noch einmal etwas anderes: Nicht nur Liebe, sondern
liebendes, erkennendes Dienen (Bhakti).“
Swami Sadananda