Mittwoch, 16. Oktober

Kann man bei einem völlig selbstverwirklichten Weisheitslehrer von Unfehlbarkeit ausgehen?

Unfehlbarkeit setzt Allwissenheit voraus und dieser Begriff ist gemäss Vedanta nur Gottes würdig und nur auf ihn zutreffend. Diesen auf Menschen zu übertragen zeugt von naiven Vorstellungen, die vielleicht ein Kind betreffend seines Vaters hat.
Om Parkin schildert, wie es ihn irritierte, als er als Jugendlicher einem weisen Schamanen begegnete, der aber an Katzenhaar-Allergie litt.
Die Verwirrung rührte daher, dass ein erleuchteter Lehrer in seinen Augen keinerlei Krankheiten oder Makel haben könnte oder dürfte. Er schrieb, wie er dazumal in der psychosomatischen Denkwelt gefangen war und dieses kindliche Verständnis von Unfehlbarkeit und Fehlerlosigkeit in sich trug.
Die Unfehlbarkeit bezieht sich auf die Reinheit der Motivation im Dienste zu Radha-Krishna, die eine verwirklichte Seele kennzeichnet. Diese ist frei von jeglichen Verschleierungen des denkenden Geistes. Frei von Ideen, Bildern oder emotionaler Einfärbung.
Die Unfehlbarkeit bezieht sich jedoch keineswegs auf die täglichen Dinge, den Umgang mit anderen Mitgeschöpfen oder die äussere Welt.
Wenn also ein Schüler Unfehlbarkeit auf den Lehrer projiziert, dann ist dies nichts anderes als eine Schattenprojektion seines Über-Ichs.

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