Sonntag, 3. November

Der lateinische Ausdruck sub specie aeternitatis („unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit“) beschreibt den Zustand des Geistes, der nicht von der Zeitweiligkeit und den vergänglichen Geschehnissen vereinnahmt ist. Da wir selber allem Zeitlichen enthoben sind, kann erst die Ausrichtung auf das Ewige dem Geist die Freiheit von Aufwühlung schenken. Spinoza verwendet diesen Ausdruck, um die Sicht des philosophischen Geistes zu charakterisieren, der eben nicht von den trügerischen vielfältigen Erscheinungen geprägt ist, sondern auf das Eine schaut.

Alle geschichtlichen Ereignisse haben nur eine vorübergehende und am Massstab der Ewigkeit gemessen geringe und im Hinblick auf die kosmischen Ereignisse gesehen begrenzte Bedeutung.
Aus diesem Standpunkt der unendlichen Weite zu leben und dennoch jeder einzelnen Begegnung und jeder Arbeit die allerhöchste Aufmerksamkeit zu schenken, als gäbe es nur diese eine im gesamten Universum – dies stellt die Grundlage für transzendentes Handeln dar.
Auf der einen Seite innerlich absorbiert zu sein im Gewahrsein, dass alles in der Welt perfekt in Gott aufgehoben ist ,und dann mit der grössten Sorgfalt sich in der Welt bemühen, als hinge alles Gutsein von dieser einen Handlung ab.

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