Donnerstag, 12. September

Bei so vielen Menschen, die ich im Abschieds- und Sterbeprozess begleitet hatte, beobachtete ich, wie die genaue Betrachtung der Vergänglichkeit und die Verankerung in der individuellen Seele und ihrer Gottesbeziehung ungemein viel heilender wirkt als das „Widerstand-Leisten“, das sich speziell im „Wiedersehen-Wollen“ ausdrückt.
Wenn ich irgend eine Seele als meinen Partner, meine Mutter, meinen Vater, meinen Geliebten oder mein Kind betrachte, dann sehe ich mit Sicherheit nicht ihre wahre Natur, sondern meine eigene Hoffnung und Projektion, die ich auf dieses Gegenüber übertragen habe.
Gemäss allen Yoga-Texten beginnt echte Liebe in samatva, in der Sicht der Gleicheit aller Seelen, die man präferenzlos einfach nur liebt. Wenn man Wasser auf eine Fläche ausschüttet, dann bilden sich auch nicht Erhöhungen an einigen Stellen. Es verteilt sich gleichmässig überall hin.
Eine Bevorzugung einer Seele zu irgendeiner anderen Seele zu haben, stellt genau eine solch künstliche Erhöhung eines Wasserberges dar. Man nennt dies dann eigentlich nicht Liebe, sondern Verhaftung.

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